Timo's Blog

Mein grosser Jubiläums-Event – ein Rückblick auf 10 Jahre Leben mit Assistenz

von | 28. November 2025 | Rein rollen in meine Abenteuer | 0 Kommentare

Am 2. September 2025 war der lang ersehnte Tag gekommen. Nach intensivsten organisatorischen sowie biografischen Vorbereitungen stand ich auf der Bühne und liess das teilnehmende Publikum eintauchen in meine ganz persönliche Lebensgeschichte. Dieser Jubiläumsanlass widmete sich ganz meinem 10-jährigen Leben mit persönlicher Assistenz und erläuterte, wie alles begann. Wie der Abend war und welche Bilanz ich nach 10 Jahren Selbständigkeit als Arbeitgeber mehrerer Assistenzpersonen ziehen kann, das erfährst Du jetzt in meinem 2. Blogbeitrag!

Ja, es sind jetzt schon mehr als 10 Jahre vergangen, seitdem ich in meiner eigenen Wohnung eingezogen bin und behinderungsbedingt mit Hilfe von diversen Assistenzpersonen lebe. Dieses 10-Jahres-Jubiläum wollte ich in einem grösseren Setting feiern, was in meinem Umfeld zur Frage führte, was denn eigentlich meine Motivation für diesen Abend gewesen sei..?

Um dies zu beantworten, möchte ich zunächst kurz eintauchen in ein paar persönliche Gedanken zum Leben selbst. Unser Leben ist kurvenreich. Die Spannweite reicht von grössten vorstellbaren Glücksmomenten bis hin zu sehr herausfordernden Schicksalsschlägen, so meine Erfahrung. Doch sind es nicht genau diese unendlich schwierigen Tiefschläge, die auf lange Sicht auch ein positives Potenzial bergen, nämlich das, Veränderungen herbeizuführen?

Als ich im Jahr 2013 infolge eines bösartigen Tumors gezwungen wurde meinen rechten Arm zu amputieren, war dies genau einer dieser Tiefschläge, der mein Leben total auf den Kopf und einfach alles in Frage stellte. Gleichzeitig aber war es für mich auch der Wendepunkt in ein anderes, selbstbestimmteres Leben. Ein Leben, das mir dank selbstorganisierter Assistenz heute viele neue Freiheiten schenkt. Deshalb war für mich schon früh klar, dass ich zum Anlass meines 10-jährigen-Assistenz-Jubiläums eigene Erfahrungen mit meiner Behinderung sowie meine Geschichte vom Heim in die eigene Wohnung öffentlich teilen wollte. Aufgrund meines kurvenreichen Lebens wuchs nämlich ein tiefes Bedürfnis in mir, den Menschen Mut für ihr eigenes Leben machen zu wollen.

Also legte ich los mit der Organisation, indem ich mir zunächst die Frage stellte, in welchem Rahmen das Ganze stattfinden soll. Ein Tag der offenen Tür bei mir zu Hause war für mich keine Option. Also suchte ich nach einer passenden Räumlichkeit und versuchte dabei möglichst gross zu denken. Um nur ein Beispiel zu nennen an was da alles so gedacht werden musste, war für mich extra ein angepasster Hublift umgebaut worden, damit ich barrierefrei auf die Bühne gelangen konnte. Es war mein erstes Mal, dass ich gleichzeitig sowohl in der Rolle des Veranstalters als auch in der des Referenten steckte. Diese Tatsache liess mich im Vorfeld etwas bangen, ob das alles nur gut gehen würde, was ich mir da wieder alles auferlegt hatte. Heute weiss ich, dass diese Sorge umsonst war.

Mein 10-jähriges-Assistenz-Jubiläum war ein voller Erfolg! Über 200 Menschen haben sich am Abend des 2. Septembers 2025 im Gemeindesaal Adler Schüpfheim eingefunden und mein Herz berührt. Im Anschluss an meinen Vortrag zeigten TänzerInnen des Rock’n’Roll Clubs Take It Easy auf eindrucksvolle Art und Weise, welch Talent und Leidenschaft in ihnen steckt. Zum Schluss blieb im Rahmen eines Apéro’s noch Zeit für persönliche Gespräche und Begegnungen. Dass sich so viele Personen für die Thematik der persönlichen Assistenz interessieren hatte ich im Vorfeld zwar gehofft, doch dass es dann wirklich auch so eintrifft, hat mich total vom Hocker gehauen und überwältigt. Das Bild von der Bühne aus auf die Menge zu blicken hat sich seitdem bei mir tief eingebrannt und trage ich dankbar in mir.

Abschliessend bleibt zu sagen, welche Bilanz ich nach 10 Jahren Leben mit Assistenz ziehen kann. Durch die entstandene Verantwortung, welche mit den administrativen Aufgaben in der Arbeitgeberrolle einhergehen, bin ich sicher selbstbewusster geworden. Ich habe in der Zwischenzeit viel Routine aufgebaut und fühle mich im Leben gefestigter – wobei dieser Punkt natürlich auch mit dem zunehmenden Älterwerden zusammenhängt. Eine grosse Herausforderung bleibt das Zeitmanagement des dichten Büroalltags, zumal ich mit meiner Behinderung noch viele weitere Zeitfenster benötige – sei dies für die Hilfsmittelversorgung oder meine persönliche Pflege etc.

Trotz diesen Herausforderungen hat sich mein eingeschlagener Weg für mich gelohnt. Ich habe seit diesem eigenständigen Leben eine Wahl darüber erhalten, wer mir die benötigte Hilfe leistet und wer eben nicht. Mit dieser Wahlfreiheit profitieren wir gegenseitig von übereinstimmenden Arbeitsbeziehungen, die bereichern. Auch ist es viel leichter geworden einen Ausflug zu machen, da entweder bezahlte Assistenzpersonen oder helfende Mitmenschen stets an meiner Seite sind. All diese neuen Errungenschaften machen mich stolz und glücklich.

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Kein Problem. Ich stelle diesen nämlich mit dem nächsten Blogbeitrag für eine beschränkte Zeit online. Abonniere am besten gleich jetzt meinen Newsletter, um keine weiteren Blogbeiträge mehr zu verpassen!

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